Römerrebberg Schinznach-Dorf

 
 
Süssen des Weines  

Unter den Römern war mulsum, ein mit Honig gesüsster Wein, sehr beliebt. Gereicht wurde er als Aperitif und zu kleinen Vorspeisehäppchen. Zur Herstellung mischte man Wein oder Traubensaft mit Honig. Aus den Quellen kennt man verschiedene Hausrezepte.

In der Antike gab es als Süssungsmittel abgesehen von Fruchtsirup nur Honig. Dieser war ein wichtiger Bestandteil der römischen Küche. Sowohl Fleisch – als auch Fischgerichte wurden mit Honig abgeschmeckt. Sehr beliebt waren die Geschmacksrichtungen Süss-Sauer, Süss-Salzig und Süss-Scharf. Neben dem Honig süsste man den Wein mit eingedicktem Fruchtsaft. Besonders in Bleigefässen eingekochter Traubensaft war als Weinzusatz beliebt. Eingekochter Most diente in Küche und Keller als Honigersatz.

Honigbienen wurden in Körben, hohlen Baumstämmen oder Tongefässen gehalten. Auf jedem Gutshof sollte ein „Honigsklave“ beschäftigt sein, der sich um die Bienen kümmerte. Auch der Honig wurde – zwar in wesentlich geringerem Ausmass als der Wein – über weite Strecken gehandelt. Beste Qualität kam aus Sizilien, den griechischen Inseln und Afrika.

 
Jocherziehung

Wenn zwei Pfähle mit Stricken, Schilfrohr oder Querlatten verbunden wurden, entstand ein Geländer, das die Reben stützte. Häufig bestand der Weinberg aus langen Reihen nebeneinander stehender Joche. Die Jocherziehung findet in den modernen Drahtanlagen, die heute weit verbreitet sind, ihren Nachfolger.

Die Jocherziehung scheint in römischer Zeit am weitesten verbreitet gewesen zu sein. Gemäss römischer Winzer reiften die Beeren am Joch besonders gut und die Pflanzung in Reihen erleichterte dem Winzer die Arbeit im Weinberg.

Je nach Klima wurde die Höhe des Joches angepasst. Offenbar war die Erziehung am
Joch so vielseitig und praktisch, dass sie für regnerische und kalte Gegenden mit Raureif empfohlen wurde. Ob diese Anbaumethode deshalb in der römischen Schweiz besonders geschätzt wurde, ist nicht bekannt.

 
Kreiserziehung

Diese Pfahlgitterform wurde nur von Columella beschrieben und kann wohl als Sonderform der Pfahlerziehung angesehen werden. Der Weinstock wurde dabei von mehreren Pfählen umstellt. Um diese Pfähle wurden seine Ranken geschlungen und daran festgebunden.

Ansonsten scheint diese Erziehungsform unbekannt gewesen zu sein. Allerdings fand man auf einem römischen Mosaik aus Nordafrika die Darstellung der Kreiserziehung, sie war folglich zumindest in manchen Gebieten des Römischen Reiches bekannt. Dass sich die Kreiserziehung bewährt, zeigt ihre Anwendung in der Umgebung von Mainz im 19. Jahrhundert. Vermutlich kann noch mit weiteren Erziehungsformen gerechnet werden, die uns aber heute nicht mehr überliefert sind.

Ein eigenes Thema, das in den Museumsrebbergen nicht angeschnitten wird, sind die Zierreben. In Gärten wurden Weinreben an schmucken Lauben und Pergolas gezogen oder man liess sie an Hauswänden empor klettern, um diese zu begrünen.