Die Römer und der Wein

Verdünnt und gewürzt getrunken...

Dass der Wein nördlich der Alpen bei den hier ansässigen Kelten pur getrunken wurde, erstaunte die Weinliebhaber aus der Mittelmeerregion. Wer Wein pur trank, galt bei den Römern als Säufer und als Barbar. Man würzte, süsste und verdünnte den Wein nämlich bevor man in trank. Schon bei der Kelterung des Weines mischte man ihm bedenkenlos verschiedenste Zutaten bei. Die Römer bevorzugten süsse und aromatische Weine. In der Regel hielten sich die einfachen römischen Weine nicht länger als ein Jahr. Nach einem Jahr erhielt ein Wein schon das Label „alt“. Solche Jahrgangsweine waren beliebt und erzielten Rekordpreise. Spitzenweine konnten ein Alter von 20 Jahren und mehr erreichen.

Angeblich war für die römischen Weinkenner das Jahr 121 v Chr. ein geradezu legendäres Spitzenjahr. Wie heute versuchten die Gastgeber bei Gastmählern mit besonders erlesenen Qualitätsweinen aufzutrumpfen. Beliebt waren Weine aus Italien, unter denen der Falerner aus Kampanien und der Caecuber aus Latium zu den Spitzenprodukten zählten.

Diese Spitzenweine wurden über weite Strecken gehandelt. Für den Transport wurde der Wein in Fässer, Amphoren oder Lederschläuche abgefüllt. Die kostbare Handelsware wurde mit Etiketten versehen. Auf diesen wurde der Produzent, das Weinbaugebiet oder die Traubensorte und der Jahrgang vermerkt – viel scheint sich im Umgang mit dem Wein also nicht verändert zu haben.

 

Conditum Paradoxum

Zutaten:
250 g Honig
0.25 l Retsina (griechischer Harzwein)
0.5 bis 2 l Retsina zum Aufgiessen
30 schwarze grob zerstossene Pfefferkörner
20 Lorbeerblätter
Safranfäden
5 Datteln

0.25 l Wein mit Honig und Gewürzen aufkochen. Das Dattelfleisch und die angerösteten Kerne bei niedriger Temperatur nach belieben ziehen lassen. Kühlstellen. Vor dem Servieren mit mindestens 0.5 l kühlem Wein aufgiessen und absieben.

«15 Pfund Honig gibt man zu zwei sextarii Wein in ein Bronzegefäss, um Honigwein zu kochen. Man erhitzt das auf einem kleinen Feuer von trockenem Holz und rührt mit einer ferula (Schneebesen) um, während es kocht. Wenn der Honigwein anfängt aufzuschäumen, wird er durch Zugabe von weiterem Wein beruhigt. Ausserdem lässt das Brodeln nach, wenn man die Hitze reduziert. Kühlt er ab, facht man das Feuer wieder an. Das wiederhole zwei-, dreimal. Dann nimm die Mischung vom Herd und schöpfe am nächsten Tag den Schaum ab. Darauf gibt man vier unciae Pfeffer zu, ferner drei scrupula gemahlenes Mastixharz, je eine dragma Blätter und Safran, fünf geröstete Dattelkerne samt ihrem in Wein eingeweichten Fruchtfleisch, nachdem du zuvor soviel Wein zugeschüttet hast, dass es eine milde Mischung ergibt. Füge dann 18 sextarii milden Wein hinzu. Kohle wird helfen, dem Getränk die Vollendung zu geben.»
Orginalrezept nach Apicius